Ein Interview mit… Sara Köser

Sara Köser

Seit drei Jahren begleiten wir im Mentoring-Programm „Traumberuf Professorin“ promovierte Frauen auf ihrem Weg zur Professur. Einige Mentees haben diesen Weg nun mit der Berufung auf eine Professur erfolgreich abgeschlossen. Wir freuen uns, mit ihnen einige Erinnerungen und Erfahrungen teilen zu können.

Sara Köser konnten wir 2018 in der zweiten Runde des Projekts begrüßen. Ihr Berufseinstieg als Professorin liegt erst wenige Wochen zurück.

Hallo Sara – zuerst einmal unseren herzlichen Glückwunsch zur Professur. Stell dich doch bitte kurz vor!

Ich bin Sara Köser und war Mentee in Runde 2, also von 2018 bis 2019. In dieser Zeit habe ich mich auch auf Professuren an verschiedenen Hochschulen beworben, war damit zweimal erfolgreich und bin seit März 2020 Professorin für Sozial- und Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Fresenius Heidelberg.

Wie kam es zu deiner Teilnahme am Programm Traumberuf Professorin?

Nach der Promotion war ich Personalentwicklerin an einer Universität und dort befristet beschäftigt. Als ich überlegte, wie es weitergehen könnte, kam ich auf die Professuren an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften. Über eine Internetsuche fand ich das Angebot der LaKof (Landeskonferenz der Gleichstellungsbeauftragten an HAW in Baden-Württemberg und der DHBW) und ging auf einen Infoabend. Über die LaKof-Datenbank fand ich auch noch eine Professorin, die mir in einem Telefonat mehr über das Berufsbild erzählt hat und einen Lehrauftrag anbot. Daraufhin habe ich mich für das Mentoringprogramm beworben und wurde angenommen.

Was waren deine Erwartungen an das Programm?

Ich habe im Bewerbungsbogen nachgeschaut, was ich damals angegeben hatte: im Wesentlichen ging es mir darum, einen weiteren Blickwinkel auf das Berufsbild zu erhalten, außerdem um die Begleitung meiner Selbstreflexion und Vernetzung. Ich erinnere mich, dass ich vorher schon recht viel Informationen gesammelt habe, weil ich einen Menteeplatz nur besetzen wollte, wenn eine Professur wirklich mein Ziel ist. Und wahrscheinlich wollte ich auch einfach ermutigende Worte hören.

Wie hast du das Mentoring-Programm erlebt? Gibt es Dinge, die dir – gerade mit Blick auf das erfolgreiche Berufungsverfahren – besonders weitergeholfen haben?

Mir hat eigentlich alles geholfen: Das Mentoring, die Kurse und auch das Netzwerk. Meiner Mentorin bin ich zutiefst dankbar, dass sie mich fachlich und emotional so unterstützt hat. Da war jemand freiwillig, wertschätzend und ohne Interessenskonflikte einfach für meinen Berufswunsch da. Das hat mich zu vielem ermutigt, zum Beispiel habe ich mich offensichtlich schwanger beworben und auch mal eine Einladung abgesagt. In den Kursen habe ich viele Informationen mitgenommen und den Kontakt mit den anderen Mentees genossen. Und das Netzwerk insgesamt ist eine fantastische Ressource. Ich habe dort so viele Role Models gesehen, die schon „auf der anderen Seite“ standen. Bei einem Treffen haben wir uns nach Länge der Berufserfahrung aufgestellt. Ich meine, es waren insgesamt weit über 600 Jahre. So viele Menschen, die mir von allen möglichen Stationen dieses Berufswegs zuwinken … Das machte es mir leichter, einfach mal jemanden anzusprechen und mich in Berufungsverfahren souveräner zu fühlen. 

Du bist nun seit März 2020 Professorin. Wie waren deine ersten Arbeitstage?

So normal anstrengend wie wohl jeder neue Berufsstart. Tausend Techniksachen, lauter neue Gesichter und dazu die Vorlesungen, die schon nach einer Woche starteten. Die Ernennung zur Professorin war mein letztes Händeschütteln vor Corona. 

Was hat dich überrascht? Was hast du genau so erwartet?

Manchmal überrascht mich noch die Flexibilität unserer kleinen privaten Hochschule und die Wichtigkeit des Anwendungsbezugs. Ich weiß und schätze das, aber es ist noch nicht ganz in meinem Denkmuster angekommen. Mit der Onlinelehre hat so wohl niemand gerechnet. Aber den Stress mit so vielen neuen Vorlesungen hatte ich erwartet und deshalb in Teilzeit angefangen, was sich jetzt mit unvorhergesehener Onlinelehre, Homeschooling und Säugling wirklich auszahlt. Mir war auch klar, dass die Zeit am Anfang für Forschung und Zusatzangebote kaum reichen wird, aber ich konnte direkt einen guten Beitrag zu einer spontanen Corona-Interview-Reihe einbringen und spinne auch schon wieder Forschungsideen.

Aus jetziger Perspektive: Was macht diesen Beruf zum Traumberuf?

Ich begleite sehr gerne Studierende und mag auch die Forschung. Die Arbeitsweise liegt mir total; ich arbeite gerne selbstgesteuert in meinen Themen, aber auch mit den Kolleginnen und Kollegen. Meine Struktur und Motivation gebe ich mir selbst, da brauche ich keine Vorgaben. Außerdem finde ich gut, wenn man auf Dauer immer wieder Themen vertiefen, aber auch neue angehen kann.

Was würdest du Frauen mitgeben, die überlegen, ob der Beruf der Professorin für Sie das Passende sein könnte?

Mein erster Tipp: Traut euch. In dem Titel schwingt ein Prestige mit, das sich vor allem Frauen oft nicht zutrauen, obwohl sie bestens qualifiziert und geeignet sind. Berufungsverfahren dauern lange, also sollte man möglichst früh mit dem Überlegen anfangen. 

Der Beruf passt aus meiner Sicht, wenn man gerne und gut Lehre macht, dauerhaft neugierig und forschungsorientiert ist und die eigene Arbeit gerne und motiviert selbst gestaltet. Kleinteilige Arbeitsaufträge, eine stetige Karriereleiter oder strukturierte Managementketten gibt es nicht. Genauer können das aber sicherlich die erfahreneren Kolleginnen und Kollegen beschreiben.

Und zu guter Letzt: Bezieht andere mit ein, vernetzt euch! Diskutiert die Idee mit Freundinnen und Freunden. Fragt Personen, die diese Welt kennen – auch wenn sie euch noch nicht kennen. Ein Mentoringprogramm wie unseres ist dafür natürlich Gold wert. Ich hoffe sehr, dass es noch vielen anderen Frauen Mut machen wird.